Die Antiqua-Schrift Floris: Alles andere als antiquiert

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Die Antiqua-Schrift Floris: Alles andere als antiquiert

In diesem Beitrag möchte ich mit der Floris eine moderne, aus der niederländischen Typographie-Tradition gestaltete Antiqua-Schrift vorstellen. Um deutlicher zu machen, in welchem Kontext die Floris steht, zuerst aber ein kurzer historischer Abriss zur Schriftgattung Antiqua.

Floris

Die Geschichte der Antiqua-Schriften beginnt ungefähr zur Zeit der Frührenaissance (also in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts) in den Städten Norditaliens. Aus den damals gebräuchlichen Handschriften humanistische ‚Minuskel und römische ‚Majuskel entsteht mit der Antiqua als moderne Druckschrift eine neue Schriftgattung.

Bis ins 18. Jahrhundert gestalten Typographen und Drucker in ganz Europa eine Vielzahl neuer Antiqua-Schriften. Diese lassen sich in vier Gruppen ordnen: Die venezianische und die französische Renaissance-Antiqua; die vorklassizistische oder Barock-Antiqua und die klassizistische Antiqua. Viele Vertreter der Antiqua-Schriften wie die Garamond, die Times oder die Bodoni werden auch heute noch weltweit intensiv genutzt; allerdings meist mit überarbeitetem und erweitertem Zeichensatz. Sie gelte als echte Typo-Klassiker.

Interessant ist die Bezeichnung „Antiqua“ für diese in ihrer Zeit neue Schriftgruppe. Denn als „littera moderna“ galten zu Beginn des 15. Jahrhunderts die gotischen Schriftformen. Die Humanisten der Renaissance bevorzugten den auf alten („antiken“) römische Buchstabenformen zurückgehenden Schriftstil wegen dessen angenehmen und vor allem besser lesbaren Schriftbild.

Floris – eine moderne Antiqua für das 21. Jahrhundert

Ein schönes Beispiel für eine moderne vorklassizistische Antiqua-Schrift ist die vom renommierten niederländischen Schriftdesigner Luc(as) de Groot gestaltete Floris. Die Anfänge dieser Schriftfamilie gehen auf die Entwürfe de Groots für einen neuen Headline-Font im Auftrag der französischen Tageszeitung „Le Monde“ zurück. Später ergänzte de Groot diesen Font um eine schmal laufende, eher vertikal betonte Variante, die Floris LM.

2007 – im Rahmen eines weiteren Redesign-Projekts für Zeitschriften – entstand die Floris Text. Entsprechend gut lesbar und dabei platzsparend ist die mit zahlreichen Schnitten von Extra Light bis Black sehr gut ausgebaute Schriftfamilie.

Die Floris hat einen geringen Unterschied zwischen x-Höhe und Versalhöhe und ein sehr ausgeglichenes Schriftbild. Trotzdem zeigt sie Eigenständigkeit und Charakter – vor allem durch die elegant gezeichneten Rundungen, welche mir besonders gut an dieser Schrift gefallen.

Über den Autor

Marcus Mientus
Marcus Mientus
Bei AhlersHeinel bin ich seit 2000; für Typografie und die kleinen typografischen Feinheiten begeistere ich mich aber schon viel länger. Illustration ist ein weiterer Interessenschwerpunkt, mit dem ich mich aktiv hauptsächlich in meiner Freizeit beschäftige. Im Moment befasse ich mich nach der Arbeit allerdings mehr mit meinen zwei kleinen Jungs und den typografischen Finessen von Kinderbüchern.

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