Lesetipps für sonnige Herbstferien

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Lesetipps für sonnige Herbstferien

Lesetipps Urlaub

Geht’s in den Herbstferien ans Meer oder in die Berge? All inclusive auf Malle oder FeWo im Harz? – Egal: Für das eine oder andere gute Buch ist auf jeden Fall noch Platz im Urlaubskoffer oder auf dem eReader.

Nach diesem verregneten Sommer haben wir uns wohl alle noch ein bisschen Sonne verdient – wie gut, dass in wenigen Tagen die Herbstferien beginnen. Nichts wie ab in wärmere Gefilde also, und  für das eine oder andere gute Buch ist auf jeden Fall noch Platz im Urlaubskoffer oder auf dem eReader! Hier meine Empfehlungen:

Golf, Tourette und Auftragskiller – eine explosive Mischung

Gary ist Schottlands größte Null im Golfspielen, sein Bruder Lee ein absolut talentfreier Kleinganove. Damit er seine Schulden aus einem vermasselten Drogendeal tilgen kann, muss sich der eine als Auftragskiller beweisen; der andere bekommt auf dem Übungsparcours einen Golfball an den Kopf und kann fortan begnadet Golf spielen. Allerdings kann er fortan auch nicht anders, als in der Öffentlichkeit zu masturbieren und mit wüsten Schimpfwörtern um sich zu werfen. Vielversprechende Zutaten also, aus denen der schottische Autor John Niven seine völlig überdrehte Story zusammenstrickt. Coma (Originaltitel: The Amateurs) ist super unterhaltsam zu lesen und begeistert mit den coolsten Dialogen seit »Kill Bill«. Und kaum zu glauben, aber isso: Selbst die langen Passagen über das Golfspielen machen Spaß, versprochen!

John Niven: Coma. Taschenbuch, 400 Seiten; Heyne Hardcore, 12,99 €

Angriff der unsinkbaren Killerenten

Ebenfalls aus Schottland stammt der Autor Christopher Brookmyre, von dessen zahlreichen Romanen leider erst recht wenige auf Deutsch erschienen sind. Zu ihnen gehört Angriff der unsinkbaren Gummienten (Originaltitel: Attack Of The Unsinkable Rubber Ducks) – ein brillanter Krimi, der den Leser fast bis zum Schluss mit immer neuen Tricks, falschen Fährten und listigen Täuschungen in die Irre führt. Um nicht zu spoilern, will ich nur ganz kurz auf die Handlung eingehen: Seine scheinbar übersinnlichen Kräfte haben Gabriel Lafayette zum gefeierten TV-Star gemacht. Als er einwilligt, seine paranormalen Fähigkeiten an der Uni Glasgow wissenschaftlich erforschen zu lassen, geschehen immer unerklärlichere Dinge. Selbst der hartgesottene Skeptiker Jack Parlabane gerät in Zweifel. Doch seine journalistische Berufsehre zwingt ihn dazu, der Sache nachzugehen. Also recherchiert Parlabane undercover – aus dem Jenseits …

Christopher Brookmyre: Angriff der unsinkbaren Killerenten. Klappenbroschur, 416 Seiten; Galiani-Berlin, 14,99 €

Wer hat Charles Dickens umgebracht?

Charles Dickens (1812–1870) war einer der bedeutendsten Schriftsteller des viktorianischen Zeitalters. In seinen auch heute noch sehr populären Werken wie Oliver Twist oder Bleak House ging er häufig auf soziale Missstände seiner Zeit ein. Laut offizieller Biographie starb Dickens am 9. Juni 1870 an den Folgen eines Schlaganfalls. Doch wenn man dem US-Autor Dan Simmons glaubt, ist Dickens keineswegs eines natürlichen Todes gestorben, sondern fiel einem gar grausen Mord zum Opfer: In seinem fast tausend Seiten dicken Wälzer DROOD erweckt Simmons nicht nur sehr plastisch das London des 19. Jahrhunderts zu neuem Leben, sondern verquirlt biographische und literaturhistorische Fakten und phantastische Spekulationen zu einem grandiosen Spuk-und-Horror-Schinken in bester viktorianischer Manier.

Zu den Tatsachen gehört beispielsweise, dass Dickens am 9. Juni 1865 ein schweres Eisenbahnunglück zwar körperlich unversehrt überstand, von dem Ereignis aber für den Rest seines Lebens im Geiste verfolgt wurde, und dass sein letzter Roman, Das Geheimnis des Edwin Drood (Originaltitel: The Mystery of Edwin Drood), unvollendet blieb. Auch den Ich-Erzähler in Simmons’ Buch hat es wirklich gegeben: Der Schriftsteller Wilkie Collins (1824–1889) gehörte tatsächlich lange Zeit zu den engsten Freunden und Mitarbeitern von Dickens. Doch die spukhaften Geschehnisse in den opiumvernebelten Katakomben unterhalb Londons, die grausigen Szenen auf nächtlichen Friedhöfen, die finsteren Mordpläne und vor allem den mysteriösen, ausgemergelten Gentleman mit dem totenschädelartigem Gesicht und den spitz zugeschliffenen Zähnen, der sich sich selbst Drood nennt – das alles hat Simmons natürlich frei erfunden. Oder vielleicht doch nicht?

Dan Simmons: DROOD. Taschenbuch, 976 Seiten; Heyne, 10,99 €

Lesetipps Urlaub

Ein Nerd auf Brautschau

Don Tillman will heiraten. Doch er ist ein völliger Nerd, hat Schwierigkeiten, Empathie zu empfinden und kann mit Emotionen und sozialen Beziehungen überhaupt nichts anfangen. Deshalb geht Don sein Ehefrauen-Projekt wissenschaftlich-exakt an, um mittels eines umfangreichen Fragebogens die ideale Gattin zu finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder gar Veganerin ist. Aber dann taucht Rosie auf, die unpünktliche, rauchende, Fleisch essende Barkeeperin. Und weil Das Rosie-Projekt des australischen Autors Graeme Simsion eine romantische Komödie ist, kommt es natürlich, wie es kommen muss – allen Widernissen zum Trotz gelingt es Don und Rosie, sich ineinander zu verlieben. Ein sehr witziger, lebenskluger und anrührender Roman, hochgeschätzt übrigens auch von Bill Gates. Leider fehlt dem Nachfolger Der Rosie-Effekt fast alles, was den Erstling so lesenswert macht … schade!

Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt. Taschenbuch, 367 Seiten; Fischer, 9,99 €

Lach- und Sachgeschichten für Designer

Nicht nur für Mediengestalter_innen, Grafiker_innen und Designer_innen eine überaus lesenswerte Urlaubslektüre: Just My Type von Simon Garfield. Locker und charmant erzählt der britische Journalist die Geschichte der Typographie – von Gutenberg bis hin zur Frage nach der passendsten Schrift für Fußballtrikots. Kleine Scherze gibt’s auch (Comic Sans geht in eine Bar. Sagt der Barkeeper: »Typen wie dich bedienen wir hier nicht.«), und weil es ein Buch für die Ferien ist, stellt Garfield auch das legendäre Archipel San Serriffe vor … aber darüber kann mein geschätzter Kollege Marcus Mientus mehr sagen.

Simon Garfield: Just My Type – ein Buch über Schriften. Hardcover, 400 Seiten; Ullstein, 19,99 €

Lesetipps Urlaub

So, das war meine kleine Auswahl für den Herbsturlaub. Übrigens: Das Buch, das die junge Dame auf dem Foto oben liest, ist Scarlet, der zweite Band der Lunar Chronicles von Marissa Meyer. Und das gibt’s gratis hier im Netz zur online-Lektüre – viel Spaß auch dabei!

 

Über den Autor

Lutz Worat
Lutz Worat
Verstärkt das AhlersHeinel-Team in den Bereichen Konzeption und Text/Redaktion für Print- und Online-Projekte. Begeisterter Tomatenanbauer und bei Cascade nicht leicht zu schlagen. In der Rubrik »Aufgelesen« im AhlersHeinel-Blog stellt er bei Gelegenheit interessante Autoren und Bücher vor.

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