Man muss auch mal nen Punkt machen.

Zum Abschluss meiner kleiner Serie Satzzeichen erlebt und belauscht heute nun ein paar Worte über den Punkt – was ja auch nur angemessen ist, schließlich handelt es sich beim Punkt um das finalste Satzzeichen überhaupt (wenn man das so sagen kann), denn erst wenn der  . auftaucht, ist der Satz zu Ende. <= So wie hier. Weswegen man dann ja auch vom Schlusspunkt spricht. Doch das Schluss machen ist bei genauerem Hinschauen des Punktes alleinige Aufgabe mitnichten: Tatsächlich erscheint er in mannigfaltigen Varianten und Kombinationen.

Der Doppelpunkt :

Weniger kalorienreich als der Doppelwhopper, aber gleichwohl kein Leichtgewicht: Der Doppelpunkt. Taucht er im Text auf, folgen entweder ein Zitat, eine Aufzählung oder eine wörtliche Rede. Außerdem fungiert der Doppelpunkt sozusagen als Erklärbär: Er signalisiert, dass ein Fazit oder eine Zusammenfassung zu erwarten ist. Auch in vielen Sportarten ist der Doppelpunkt allgegenwärtig („3:2 nach Verlängerung“), und ohne ihn wäre Bill Gates sehr wahrscheinlich nie Milliardär geworden; ich sage nur Laufwerk C:

Wenns einer mehr sein darf: Drei Punkte sollt ihr sein …

Der Dreierpack zeigt an, dass etwas nicht da ist, folglich spricht man auch von Auslassungspunkten: Es war einmal … Über die Auslassungspunkte, auch Dreipunkt oder – im Typografensprech – Ellipse genannt, kann man sich durchaus länger auslassen – zum Beispiel darüber, ob man im korrekten Schriftsatz vor und nach Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen Leerzeichen setzt oder nicht. Sagen wir so: Es kommt drauf an. Wenn Auslassungspunkte für weggelassene Wörter oder Satzteile stehen, werden sie von Leerzeichen umgeben: … vor langer Zeit in einer in einer weit, weit entfernten Galaxis … Ersetzen die Auslassungspunkte allerdings bloß einen oder mehrere Buchstaben eines Wortes, werden sie ohne Leerzeichen an den angrenzenden Wortteil angefügt: Du alter Id… (das …ealist muss man sich denken.) Satztechnisch sauber wird der Dreipunkt übrigens nicht durch drei einzelne Punkte dargestellt: Im Kodierungssystem Unicode ist er als U+2026 (HORIZONTAL ELLIPSE) enthalten und wird beispielsweise unter MacOS durch die Tastenkombi alt + . eingegeben.

Der Strichpunkt aka Semikolon ;

Der Beistrich mit dem Punkt obendrauf (manchmal auch als Komma für Intellektuelle bezeichnet) koppelt zwei gleichrangige Sätze oder Wortgruppen und wird gerne dann verwendet, wenn ein Komma als Abgrenzung zu schwach, ein Schlusspunkt hingegen zu stark erscheint, quasi das entschiedene „Jein“ der Zeichensetzung: Ganz stille wars im Hausflur; erwartungsvoll drückte ich die Klingel. Da das Semikolon mittlerweile zu den bedrohten Arten in der Satzzeichen-Flora & Fauna gehört, habe ich ihm vor einiger Zeit einen eigenen Artikel gewidmet.

Das Trema ¨

Nicht Tremor, nicht Drama: Beim Trema handelt es sich weder um eine Krankheit noch um eine literarische Gattungsbezeichnung, sondern vielmehr um ein im Deutschen weniger häufig verwendetes Satzzeichen, das eine sogenannte Diärese markiert. Hinter diesem Begriff verbirgt sich nun auch wieder nichts Medizinisches, sondern der Umstand, dass zwei aufeinander folgende Vokale getrennt ausgesprochen werden. Wie zum Beispiel – die Älteren werden sich erinnern – bei Zoë Pollock, der Sängerin (Sunshine on a Rainy Day). Der amerikanische Kultautor J. D. Salinger hatte offenbar seinerzeit gerade kein Trema auf der Schreibmaschinentastatur verfügbar; sieht man daran, dass er sein 1961 erschienenes Buch völlig trema-los Franny and Zooey betitelte, was indes aussprachetechnisch keinen Unterschied macht.

Der bullet point •

Optisch mehr so der Sumoringer unter den punkt-affinen Satzzeichen, weist der bullet point charakterlich eher buchhalterisch-ordnungsliebende Züge auf. Der fette Punkt, auch Blickfangpunkt genannt, wird in der Regel verwendet für

  • Listen
  • Aufzählungen
  • Spiegelstrichlisten
  • u. dgl. m.

Obwohl der bullet point vom Erscheinungsbild ja nun durchaus was hermacht, wird er satztechnisch eher stiefmütterlich behandelt. Genauer gesagt: Er wird sogar gänzlich ignoriert, also so behandelt, als sei er gar nicht anwesend. Der Satz In seinem wieder einmal höchst lesenswerten Artikel ging der Autor auf den Schlusspunkt, den Doppelpunkt, die Ellipse, das Semikolon, das Trema sowie auf den Aufzählungspunkt ein sieht bullet-gepointed so aus:

In seinem wieder einmal höchst lesenswerten Artikel ging der Autor auf

  • den Schlusspunkt,
  • den Doppelpunkt,
  • die Ellipse,
  • das Semikolon,
  • das Trema sowie auf
  • den Aufzählungspunkt

ein. Und wunderschön illustriert hat das Ganze wieder einmal mein Kollege Marcus Mientus – herzlichen Dank auch dafür.

Fred Förster

Verstärkt das AhlersHeinel-Team in den Bereichen Konzeption und Text/Redaktion für Print- und Online-Projekte. Begeisterter Tomatenzüchter und bei Cascade nicht leicht zu schlagen. In der Rubrik »Aufgelesen« im AhlersHeinel-Blog stellt er bei Gelegenheit interessante Autoren und Bücher vor.

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