Schriftsippen: Willkommene Helfer bei typografischen Herausforderungen

Das Thema Schriftfamilien hatte ich schon einmal in meinem Blogbeitrag Font-Design oder: Wie entsteht eine Schrift? gestreift, und zwar im Zusammenhang mit der Schriftauswahl für Corporate Design-Projekte. Auch in diesem Beitrag wird es wieder familiär zugehen: Diesmal befasse ich mich mit sogenannten Schriftsippen. Denn gerade solche Schriftgroßfamilien eignen sich hervorragend, um gut funktionierende Schriftmischungen zu entwickeln, wie sie sehr häufig zum Beispiel für umfangreiche Corporate Designs oder auch im Corporate Publishing gebraucht werden.

Was zeichnet Schriftsippen aus?

Eine Sippe bezeichnet bekanntlich so etwas wie eine miteinander verwandte Gruppe. Genau so verhält es sich auch bei großen Schriftfamilien, die Schriften aus verschiedenen Klassifikationen wie zum Beispiel Serif, Sans Serif oder Egyptienne vereinen. Möglich sind auch weitere Schriftarten, etwa Monospaced Fonts (Lettern haben die gleiche Dickte, weisen also exakt den gleichen Abstand zueinander auf;  klassisches Beispiel: Schreibmaschinenschriften). Auch Zwischenstufen wie Semi Sans oder Semi Serif  können zu einem Schriftsystem gehören (siehe die Schriftsippe Rotis).

Zu den bekanntesten Schriftsippen gehören die Lucida (Lucida Sans, Bright, Typewriter, Fax, uvm.), die Thesis (TheSans, TheSerif, TheMix und TheAntiqua) oder die Corporate (Corporate A, S, E). Kleinere Schriftsippen mit Schriften aus nur zwei unterschiedlichen Hauptschriftgruppen sind beispielsweise die Meta oder die Scala (jeweils Sans- und Serifversionen).

Der Vorteil großer Schriftfamilien

Wo man bei „artfremden“ Schriftmischungen sehr genau die passenden Schriften aussuchen und diese gegebenenfalls noch anpassen muss, ergeben die Kombinationen innerhalb einer Schriftsippe ein abgestimmtes typografisches System mit einem harmonischen Schriftbild. Denn die Grundformen und die Proportionen der einzelnen Zeichen sind identisch. Ober- und Unterlängen stimmen überein; im besten Fall weisen die Schriften die gleiche Laufweite auf. Die Schriften sind also bis auf die typischen Merkmale der verschiedenen Schriftkategorien weitgehend gleich und verhalten sich auch gleich in der praktischen Anwendung beim Schriftsatz: Eine wesentliche Erleichterung bei der Erstellung von Medien mit komplexen typografischen Anforderungen wie  Journale/Zeitungen, Geschäftsberichte oder wissenschaftliche Sachbücher. Dazu trägt auch die oft sehr große Auswahl an Zeichen bei. Mit zusätzlichen Zeichenvarianten, verschiedenen Ziffernsätze (Tabellenziffern usw.), Sonderzeichen (z.B. mathematische Zeichen) oder auch nichtlateinische Schriften (z.B. kyrillisch, griechisch) ist der Grafiker für (fast) alle typografischen Herausforderungen bestens ausgerüstet.

Marcus Mientus

Bei AhlersHeinel bin ich seit 2000; für Typografie und die kleinen typografischen Feinheiten begeistere ich mich aber schon viel länger. Illustration ist ein weiterer Interessenschwerpunkt, mit dem ich mich aktiv hauptsächlich in meiner Freizeit beschäftige. Im Moment befasse ich mich nach der Arbeit allerdings mehr mit meinen zwei kleinen Jungs und den typografischen Finessen von Kinderbüchern.

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