Schuld ist nur die Ablautreduplikation

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Schuld ist nur die Ablautreduplikation

Warum schlappsen im Sommer so viele Menschen in Flip-Flops durch die Gegend, aber kaum jemand in Flop-Flips? Warum tanzt so selten ein Bu-Ba-Bitzemann um das Haus herum fidibumm, sondern bestenfalls der Bi-Ba-Butzemann? Warum macht die Uhr nicht tack-tick, warum läuft man nicht öfter Zack-Zick? – Bohrende Fragen zweifelsohne, auf die es allerdings eine ganz konkrete Antwort gibt. Schuld an diesem ganzen Schnackschnick ist nämlich keinesfalls der Bossa Nova, sondern vielmehr die gute alte Ablautreduplikation.

Ablautreduplikation? Bitte was?

Ist eigentlich ganz einfach, erfordert aber vom Erklärbär etwas Anlauf. Also: Wenn bei der Wortbildung einzelne Laute, Silben oder Wortteile wiederholt werden (wie zum Beispiel beim Wort „Erklärbär“), spricht man von Reduplikation. Zwei Reduplikations-Wörter, mit denen fast jeder von uns schon in frühester Kindheit Bekanntschaft gemacht hat, sind natürlich „Mama“ und „Papa“. Andere Wörter mit hohem Bekanntheitsgrad, bei denen schlichtweg eine Silbe redupliziert – sprich: verdoppelt – wurde, sind beispielsweise „Bonbon“ (aus dem Französischen ausgeborgt) oder auch „Tamtam“ (wie in: „Mach doch nicht so ein …“).  „Tamtam“ ist übrigens auch die Bezeichnung für einen großen Metallgong, der in der chinesischen Musik eine wichtige Rolle spielt. Eine kleinere Version, mitunter heute noch in der traditionellen jemenitischen Musik verwendet, wird aber „Sahn Nuhasi“ genannt – also nix mit Reduplikation. Doch bevor ich gänzlich abschweife, sollte ich mal lieber dalli-dalli (oder auch ruckzuck) wieder zurück zum Thema finden …

Wann kommt denn jetzt endlich dieser Ablaut ins Spiel? Und was ist das überhaupt?

Ablaute sind keineswegs (wie man ja eventuell annehmen könnte) sprachliche Abfallprodukte, sondern erfüllen in allen indogermanischen Sprachen eine wichtige Funktion, speziell bei der Beugung der sogenannten starken Verben. Das sind all diejenigen Zeitwörter, bei denen sich in den Vergangenheitsformen der Stammvokal ändert, und zwar nach festen Regeln, den sogenannten Ablautreihen. Im Deutschen gibt’s sieben Stück davon, die Kombination i – a – o/u ist die mit Abstand häufigste. Beispiele: singen – sang – gesungen; trinken – trank – getrunken.

Ist das nicht toll? Wir alle sind Experten beim Thema Ablautreduplikation!

Und jetzt kommts: Weil wir alle seinerzeit beim Spracherwerb die i–a–o-Kombi (und die anderen Ablautreihen ebenfalls) verinnerlicht haben, fühlen sich per Ablautreduplikation gebildete Begriffe wie Schnickschnack, Mischmasch oder Zickzack für uns schlichtweg „richtig“ an, Wortbildungen wie der eingangs erwähnte Bu-Ba-Bitzemann dagegen „irgendwie falsch“. Im Englischen (bekanntlich auch eine indogermanische Sprache) funktioniert das ebenfalls, bloß anders: Da ist nämlich der Wechsel von i zu o am beliebtesten. Erkennt man an Wortbildungen wie Hip-Hop, Flip-Flop oder Kickstopp.

Gegenbeispiele gibt es natürlich auch

Nehmen wir nur mal den Illustrator dieses Beitrags, meinen geschätzten Kollegen Marcus Mientus. Was auf den ersten Blick auffällt: Die Reihenfolge der Vokale in seinem Namen (a – i – e – u) entspricht nicht der klassischen Ablautkombination i  – a – o/u! Und dennoch klingt „Marcus Mientus“ einfach „richtig“, und man hat sofort das Gefühl, dass es sich um einen wirklich tollen Illustrator handelt. Das bestätigen auch seine Illus für Artikel wie diesen hier oder jenen dort.  Ganz anders dagegen bei „Mircus Mantus“ …

 

Über den Autor

Lutz Worat
Lutz Worat
Verstärkt das AhlersHeinel-Team in den Bereichen Konzeption und Text/Redaktion für Print- und Online-Projekte. Begeisterter Tomatenanbauer und bei »Toon Blast« immer mal wieder auf der Bestenliste zu finden. In der Rubrik »Aufgelesen« im AhlersHeinel-Blog stellt er bei Gelegenheit interessante Autoren und Bücher vor.

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