Apostrophil

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Der Apostroph hats nicht leicht: Häufig wird er falsch verwendet und nicht selten typografisch unkorrekt dargestellt. In diesem Beitrag möchte ich ein wenig über Hege und Pflege des Apostrophs im Deutschen erzählen.

Des Apostrophs Herkunft

Bereits in der Antike hatte der Apostroph (vom altgriechischen apóstrophos ›der Abgewandte‹) seinen Platz als Auslassungszeichen gefunden; in den Grammatiklehrbüchern der deutschen Sprache trat er allerdings erst Ende des 18. Jahrhunderts auf – und zwar unter der possierlichen Bezeichnung Oberhäcklein. Verwendung fand der Apostroph zunächst vor allem in der Lyrik: um Wortformen schriftlich so darstellen zu können, dass sie in das Metrum eines Gedichtes passten. Doch es dauerte nicht lange, bis der Apostroph ähnlich wie im Englischen zur Verdeutlichung des Genitivs bei manchen Eigennamen herangezogen wurde. Dies sind im Wesentlichen die Aufgaben des Apostrophs bis heute geblieben.

Der Apostroph als Auslassungszeichen

  • Der Apostroph kennzeichnet ausgelassene Buchstaben, wenn eine verkürzte Wortform schwer lesbar oder missverständlich wäre – vor allem in poetischen Texten: Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll / Netzt’ ihm den nackten Fuß (aus der Goethe’schen Ballade Der Fischer)
  • Ferner wird der Apostroph bei längere Auslassungen im Wortinneren verwendet: D’dorf (Düsseldorf); K’lautern (Kaiserslautern); Ku’damm (Kurfürstendamm).
  • Ist sone Sache: Der Apostroph kann gesetzt werden, um Lesbarkeit oder Verständlichkeit umgangssprachlicher Wendungen zu verbessern: Wass’n das für’n Quatsch? Hasse mal’n Euro? Aber – ist eben so’ne Sache – weil es sich um eine Kann-Regel handelt, ist auf’m Dach ebenso korrekt wie aufm Dach. Und auf dem Dach natürlich sowieso.
  • Ebenfalls eine Kann-Regelung: Der Apostroph kann – muss aber nicht – gesetzt werden, wenn das umgangssprachlich zu s verkürzte Pronomen es mit dem vorhergehenden Wort verschmilzt: Wie geht’s? / Wie gehts? · Wie man’s nimmt / Wie mans nimmt.

Der Apostroph bei Namen

Der Apostroph kennzeichnet den Genitiv bei Eigennamen, deren Grundform auf einen s-Laut  (geschrieben: -s, -ss, -ß, -tz. -z, -x, -ce) endet, wenn kein Artikel oder Artikelwort dabei steht: Aristoteles’ Schriften, Lutz’ Bruder, Alice’ Wohnung. Der Apostroph steht auch, wenn der s-Laut in der Grundform stumm ist: Cannes’ Filmfestival, Boulez’ Meisterwerk, Jean Giraudoux’ Theaterstück.

Spezialfall: Andreas sein Handyshop / Andrea ihr Nail Studio

Bei Personennamen, bei denen Verwechslungen möglich sind, kann im Genitiv ein Apostroph gesetzt werden. In diesen Beispielen ists  (ist’s) der Laden von ihr:  Andrea’s Nail Studio / Andreas Handyshop; und in diesem Beispiel der von ihm: Andreas’ Handy & Nail Paradise. Im Allgemeinen brauchts (braucht’s) im Deutschen aber keinen Apostroph beim Genitiv-s: Monis Backstübchen, Müllers Möbelkiste, Uschis Frisiersalon – geht alles so in Ordnung.

Spezialfall: Knatsch mit freudsch

Zur Verdeutlichung kann der Apostroph stehen bei Adjektiven auf -sch, die von Personennamen abgeleitet sind: Freud’sche Fehlleistung, Goethe’sche Werke, Bismarck’sche Gesetzgebung. Wenn kein Apostroph gesetzt ist, wird das Adjektiv übrigens kleingeschrieben: freudsche Fehlleistung, goethische Werke, bismarcksche Gesetzgebung.

Kein Apostroph

Der Apostroph wird nicht verwendet

  • bei allgemein üblichen oder unmissverständlichen Wortverkürzungen: Ich seh dich; ich steh an der Ecke; lass das sein, komm lieber her!
  • bei häufig gebrauchten Varianten von Wörtern, die auf -e enden: Der Wein ist trüb; das ist mir zu blöd.
  • bei üblichen Wortformen, bei denen im Wortinneren ein e ausgefallen ist: Trockner Sand ist etwas andres.
  • für das weggefallene Schluss-e oder die weggefallene Endung in  Redewendungen: Freud und Leid; nur ruhig Blut
  • bei allgemein üblichen Verschmelzungen von Präposition und Artikel: ans Klavier; aufs Frühlingsfest; vors Regal; übers Meer
  • bei verkürzten Formen von heraus, heraus, herein, herunter usw.: Komm da runter! Bloß rein da! Reich mir mal die Butter rüber!

Erst recht kein Apostroph

Schon gar nicht wird der Apostroph verwendet

  • vor der Genitivendung -s: Omas Häuschen; die Aufgaben des Designers; die Fahrerin des Lkws; die Rechenleistung des PCs
  • vor der Pluralendung -s: die Smartphones; die Partys; die CDs; die USB-Sticks
  • bei anderen Endungen und Ableitungen: Das Bahnhofs-Restaurant (NICHT: Bahnhof’s-Restaurant) ist auch sonntags (NICHT: sonntag’s) geöffnet. Ich habe die Infos gegoogelt und dann gesavt (NICHT: gegooge’lt und gesave’t)
Der Apostroph in typographisch korrekter Ausführung

Der Apostroph in typographisch korrekter Ausführung

Der Apostroph in
typographisch korrekter Ausführung

Der typographisch korrekte Apostroph ’ hat die Unicode-Kennzeichnung U-2019; RIGHT SINGLE QUOTATION MARK und stellt sich als kleiner, leicht von rechts oben nach links unten geneigter Bogen dar, der sich auf Höhe der Überlänge der Schrift befindet (»Fliegende 9«). Per Tastatureingabe kann der typographisch korrekte Apostroph

  • unter Windows durch [Alt] + NUM0146
  • unter MacOS mittels [Wahltaste]+[Umschalttaste]+# (deutsche Tastaturbelegung) oder [Wahltaste]+[Umschalttaste]+! (deutsch-schweizerische Tastaturbelegung)

erzeugt werden.

Der Apostroph in der Rockmusik

Soviel ich weiß, ist der Apostroph das einzige Satzzeichen, das es zu einer eigenen Schallplatte/CD gebracht hat: Apostrophe (’) von Frank Zappa, 1974

 

 

 

 

Über den Autor

Lutz Worat
Lutz Worat
Verstärkt das AhlersHeinel-Team in den Bereichen Konzeption und Text/Redaktion für Print- und Online-Projekte. Begeisterter Tomatenanbauer und bei »Toon Blast« immer mal wieder auf der Bestenliste zu finden. In der Rubrik »Aufgelesen« im AhlersHeinel-Blog stellt er bei Gelegenheit interessante Autoren und Bücher vor.

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