Charlie Mortdecai: Krimi-Kost für Kenner

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Charlie Mortdecai: Krimi-Kost für Kenner

Charlie Mortdecai 1

Foto © AhlersHeinel Werbeagentur

Dem emsigen Krimi-Leser sind unfähige, überhebliche und stinkfaule Detektive und Ermittler selbstverständlich nicht unbekannt; erinnert sei nur an Inspector Dover, C. Card oder Dangerous Davis. Sie alle freilich werden um Längen übertroffen vom wenig Ehrenwerten Charlie Mortdecai. Dem hat sein Erfinder, der schriftstellernde Kunsthändler Kyril Bonfiglioli, durchaus Wesenszüge seiner eigenen Person mitgegeben, wie er selbst gesagt hat. Infolgedessen ist Charlie Mortdecai nicht nur arrogant und feige, sondern auch snobistisch, verletzend, unsympathisch, faul, fett und verfressen, habgierig und bar jeder Moral – ein Anti-Held der Extraklasse also, dessen exzentrische Abenteuer allerbesten Lesestoff abseits des Mainstream bieten.

Die Charlie Mortdecai Trilogie in vier Bänden

Mit Bonfigliolis Charlie Mortdecai-Romanen verhält es sich ein bisschen so wie mit deren Handlungen: Es ist alles ganz schön verwirrend. Zu Lebzeiten des Autors erschienen drei Bücher, von denen allerdings lediglich zwei auch auf deutsch herausgekommen sind: „Nimm das Ding da weg“ (Don’t Point That Thing At Me; 1973) sowie „Die Damen und das Ungeheuer“ (Something Nasty In The Woodshed; 1976). Der dritte Band,  After You With The Pistol (1979), ist auf deutsch nicht erhältlich. Dafür aber ist 1996 posthum ein vierter Band erschienen: „Charlie Mortdecai in: Das große Schnurrbart-Geheimnis“ (The Great Mortdecai Moustache Mystery). Doch bevor Kyril  Bonfiglioli diesen Roman hatte fertigstellen können, ist er leider im Alter von nur 57 Jahren verschieden, weswegen das letzte Kapitel von dem britischen Satiriker Craig Brwon nach Notizen aus dem Nachlass vollendet wurde.

Roter Faden? Logischer Plot? Fehlanzeige!

„Der Kriminalroman muss glaubwürdig motiviert sein, in der Ausgangssituation sowohl wie auch in der Aufklärung. Er muss aus plausiblen Handlungen plausibler Menschen unter plausiblen Umständen bestehen“, sagt Raymond Chandler, geistiger Vater des Privatdetektivs Philip Marlowe, in seinem berühmten Essay „Die simple Kunst des Mordes.“ Bei Kyril  Bonfiglioli indes findet sich reineweg gar nichts davon. Die einzige Motivation, die seinen Antihelden Charlie Mortdecai antreibt, besteht darin, möglichst auch noch die kleinste Unbequemlichkeit zu vermeiden. Die Ausgangssituationen aller Romane sind ausgesprochen obskur und jeglicher Anflug von Plausibilität wird kunstvoll vermieden. Dafür aber gibt es verbale Fies- und Bosheiten in Hülle und Fülle; in „Die Damen und das Ungeheuer“ heißt es zum Beispiel:
„Die Geschichte, die ich anzubieten habe, begann zu Ostern letzten Jahres; jener Jahreszeit, in der wir einander an den vor zweitausend Jahren erfolgten Justizmord an einem jüdischen Revolutionär erinnern, indem wir an Kinder von Leuten, die wir nicht mögen, Schokoladeneier verteilen.“

 Charlie Mortdecai in der Buchhandlung

Ich hoffe, ich habe genug getrommelt, um bei vielen Krimifans unbändiges Interesse an den schrägen Mortdecai-Romanen zu wecken. Denn jetzt kommt‘s: Die Bücher sind so einfach zu finden nicht, hehehehe. Die einst bei Piper erschienen Ausgaben von „Nimm das Ding da weg“ und „Die Damen und das Ungeheuer“ sind derzeit nur antiquarisch erhältlich. So auch der vierte Band, „Charlie Mortdecai in: Das große Schnurrbart-Geheimnis“, 2003 in einer schönen Ausgabe von Haffmanns bei Zweitausendeins auf den Markt geworfen und  heute für knapp 90 Euro antiquarisch zu schießen. Doch es besteht Hoffnung: Piper kündigt für den 1. Juni 2016 eine Neuauflage von „Nimm das Ding da weg“ an, leider mit einem scheußlichen Cover und noch leiderer offenbar als Nachklapp zu der völlig verunglückten Johnny-Depp-Klamotte „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“.  Wer nicht so lange warten mag: ‚Hier gibt es das erste Kapitel als Leseprobe.

Charlie Mortdecai 2

Foto © AhlersHeinel Werbeagentur

 

 

Über den Autor

Lutz Worat
Lutz Worat
Verstärkt das AhlersHeinel-Team in den Bereichen Konzeption und Text/Redaktion für Print- und Online-Projekte. Begeisterter Tomatenanbauer und bei »Toon Blast« immer mal wieder auf der Bestenliste zu finden. In der Rubrik »Aufgelesen« im AhlersHeinel-Blog stellt er bei Gelegenheit interessante Autoren und Bücher vor.

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