Geschichten erzählen

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Geschichten erzählen - die Autoren

Geschichten erzählen, das liegt ja zurzeit völlig im Trend. Auch bei AhlersHeinel ist das Storytelling als konzeptionelle Basis für Kundenprojekte gerade wieder hochaktuell. Deshalb und weil jetzt wieder die Zeit dafür gekommen ist, es sich mit tollem Lesestoff auf dem Sofa gemütlich zu machen, möchte ich heute ein paar Bücher vorstellen, die ich auch aufgrund ihrer ungewöhnlichen Erzählweisen besonders gerne gelesen habe.

Geschichten erzählem - Apostel

Spannender Kirchenkrimi: Der dreizehnte Apostel

Die sensationelle Entdeckung des verschollenen Matthias-Evangeliums und seine Entschlüsselung führen zu einer aufregenden Verfolgungsjagd durch mehrere Kontinente, denn nicht nur der versoffene irische Theologe Prof. O’Hanrahan und seine gut geerdete Assistentin Lucy Dantan, sondern auch der undurchschaubar wirkende Rabbi Mordechai Hersch sind hinter dem kostbaren Papyros her, der womöglich die herrschende Kirchenlehre umstürzen könnte.

Was mir an dem sehr raffiniert konstruierten Roman besonders gefällt: Autor Wilton Barnhardt schließt jedes Kapitel seines über 1000 Seite starken Werks mit einem Abschnitt des (fiktiven) Evangeliums ab und fügt außerdem noch einen umfangreichen Fußnotenapparat hinzu, in dem er nicht mit sarkastischen kirchenkritischen Anmerkungen geizt. Und sogar Gott selbst kommt zu Wort und kommentiert hier und da die Pläne und Aktivitäten der drei konkurrierenden Forscher.

Matthias, den 13. Apostel, hat es übrigens wirklich gegeben, und im zweiten nachchristlichen Jahrhundert kursierte unter seinem Namen auch eine apokryphe neutestamentarische Evangelienschrift. Doch die ist – bis auf wenige Fragmente – noch immer bis heute verschollen.

Wilton Barnhardt: Der dreizehnte Apostel. Verlag: Droemer/Knaur, broschiert, 1024 Seiten

Geschichten erzählen - Super Sad

Absurd, skurril, voller verrückter Ideen: Super Sad True Love Story

Die Weiterentwicklung der heutigen Social Media hat jegliche Form von Privatsphäre  unmöglich gemacht: Jedermann kann sich jederzeit mühelos über die intimsten persönlichen Daten und Fakten anderer informieren. Die USA haben einen kulturellen und wirtschaftlichen Kollaps erlitten und sind hoch an die Chinesen verschuldet. Vor diesem dystopischen Hintergrund enwtickelt sich eine völig schräge, skurrile Liebesgeschichte zwischen dem Bücherliebhaber Lenny und der abgebrühten Teenager-Göre Eunice Park.

Was mir an der superlustigen, supertrarurigen Love Story des New Yorker Kultautors Gary Shteyngart besonders gefällt: Die Geschichte wird abwechselnd als Auszüge aus dem Tagebuch des schüchternen Lenny und als (doch einigermaßen explizit getextete) Chat-Messages von Eunice an ihre Freundin und ihre Schwester erzählt – und das liest sich oft unglaublich komisch!

Gary Shteyngart: Super Sad True Love Story. Verlag: rororo, Taschenbuch, 460 Seiten

Geschichten erzählen - Little Bee

Eine Flüchtlingsgeschichte, die zu Herzen geht: Little Bee

Bereits 2008 erschienen, ist Little Bee von Chris Cleave heute aktueller denn je. Erzählt wird die Geschichte der 16-jährigen Nigerianerin Little Bee, der es gelingt, aus ihrer von Krieg und Wirren gepeinigten Heimat nach England zu gelangen, und der erfolgreichen Journalistin Sarah. Wie sich herausstellt, verbindet ein dramatischer Vorfall in der Vergangenheit die beiden Frauen.

Auch dieses Buch mag ich sehr wegen der Wechsel in der personalen Erzählperspektive. Mit ganz viel Lebensmut macht uns Little Bee mit ihrem erschütternden Schicksal vertraut – und zwar in einer sehr gepflegten Sprache, dem „Englisch der Königin“ (im Original: Queen’s English), erlernt im Abschiebegefängnis in Essex. Und auch die Geschichte, die Sarah zu erzählen hat, berührt den Leser unmittelbar.

Chris Cleave: Little Bee, dtv, 470 Seiten.  Auch als EPub und Hörbuch erhältlich.

Geschichten erzählen - Lachs

Klug, lustig, völlig abgefahren: Lachsfischen im Jemen

Ein steinreicher Scheich wünscht in seiner Heimat, dem Wüstenstaat Jemen, eine Lachsfarm anzulegen, und Alfred Jones, wissenschaftliches Rädchen im englischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung, soll’s richten, das wünscht nun wieder der profilneurotische englische Premierminister. Aus dieser skurrilen Ausgangssituation entwickelt Autor Paul Torday den ironischen Abgesang auf eine Welt, in der nur das etwas gilt, was materiellen Nutzen verspricht.

Erzählt wird Lachsfischen im Jemen als multiperspektivisches Puzzle aus Alfreds Tagebucheintragungen, Auszügen aus Briefen der attraktiven Unternehmensberaterin Harriet und den Memoiren des Premierministers sowie abgefangenen Al-Quaida-E-Mails – der geneigte Leser ist aufgefordert, sich aus diesen Versatzstücken sein eigenes Bild von den Geschehnissen zu machen.

Paul Torday:Lachsfischen im Jemen. bloomsbury, 320 Seiten. Auch als EPub erhältlich.

Geschichten erzählen - Gilbert

Eine ungeheuerliche Geschichte: Was aus uns wird

Ampersand, ein (fiktives) Buch von Weltrang und dessen todkranker Autor A. N. Dyer, zwei Familiendynastien, deren Schicksale auf seltsame Weise miteinander verknüpft sind, und die New Yorker Literaturszene: Das sind die Zutaten, aus denen David Gilbert seine großartige Geschichte über den hohen Preis künstlerischer Kreativität, Missgunst und Eitelkeit komponiert hat.

Erzählt wird diese Geschichte von Philip, dem Sohn eines verstorbenen Freundes des gefeierten Kultautors Dyer. Was sehr reizvoll ist: So ganz allmählich merkt man beim Lesen, dass man Philip nicht alles glauben darf – er ist nämlich ein sogenannter unzuverlässiger Erzähler, der Dinge verschweigt und manchmal schwindelt. Wie sich die Geschichte, die auf ein furioses Finale zusteuert, nun tatsächlich abgespielt hat: Das zu enträtseln bleibt Aufgabe des Lesers. Übrigens: Was ein Ampersand ist – darüber habe ich in einem früheren ‚Blogbeitrag etwas erzählt.

David Gilbert: Was aus uns wird. eichborn Hardcover,640 Seiten. Auch als EPub erhältlich.

Geschichten erzählen - Mitchell

So erzählt nur David Mitchell

Zum Schluss möchte ich nicht lediglich ein einzelnes Buch, sondern vielmehr einen Autor empfehlen, der für mich zu den besten Schriftstellern der Gegenwart gehört: David Mitchell. Charakteristisch für seine Romane ist eine komplexe multiperspektivische Erzählweise; sein wohl bekanntestes Werk, ‚Der Wolkenatlas, besteht aus insgesamt sechs Handlungssträngen von jeweils eigener literarischer Form – vom Briefwechsel über den Kriminalroman bis zum postapokalyptischen SciFi-Thriller.

Erst nach und nach erschließt sich, wie die einzelnen Stränge miteinander verknüpft und verwoben sind. Auch Chaos und Die tausend Herbste des Jacob de Zoet, weitere Mitchell-Bestseller, sind nach diesem Prinzip aufgebaut.

In seinem neuesten Buch, Slade House, nähert Mitchell sich dem Genre des Horrorromans an; leider wird man wohl noch etwas auf die deutsche Übersetzung warten müssen.

Die tollen Autoren-Portraits und die Vignetten für die einzelnen Buchvorstellungen hat übrigens mein geschätzter Kollege Marcus Mientus gezeichnet – ganz herzlichen Dank dafür, Marcus!

 

Über den Autor

Lutz Worat
Lutz Worat
Verstärkt das AhlersHeinel-Team in den Bereichen Konzeption und Text/Redaktion für Print- und Online-Projekte. Begeisterter Tomatenanbauer und bei »Toon Blast« immer mal wieder auf der Bestenliste zu finden. In der Rubrik »Aufgelesen« im AhlersHeinel-Blog stellt er bei Gelegenheit interessante Autoren und Bücher vor.

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