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Last-Minute-Tipps: Lesefutter zu Weihnachten

Lesetipp zu Weihnachten

Hallo Leseratten! Für alle, die noch nach Lesefutter für über die Feiertage suchen (sei es zum Verschenken oder zum Selberschmökern), habe ich hier drei Last-Minute-Tipps; allerdings keine Neuerscheinungen, sondern vielmehr echte Perlen, die aus dem einen oder anderen Grund ein bisschen in Vergessenheit geraten sind.

Als das Zaubern schon nichts mehr geholfen hat: 

Jonathan Strange & Mr. Norrell

2004 hatte der weltweite Harry-Potter-Hype seinen Höhepunkt erreicht; andere Fantasy-Romane hatten damals kaum eine Chance auf dem Markt. Zu den Büchern, denen ich gerne einen größeren Verkaufserfolg gewünscht hätte, gehört auch Jonathan Strange & Mr. Norrell von Susanna Clarke. Der stilistisch anspruchsvolle Roman spielt im England des 19. Jahrhunderts, als das Zaubern schon nichts mehr geholfen hatte. Kein Vergleich also mit jenen ruhmvollen Zeitaltern, als der düstere Rabenkönig das Land durch Magie beherrschte. Von den dunklen Mächten des Rabenkönigs lässt sich der junge Zauberer Jonathan Strange in seinen Bann ziehen, was allerdings sein Lehrmeister Mr. Norell gar nicht gutheißen kann: Es kommt zum dramatischen Duell.

Strange/Norrell ist eine großartige Erzählung über Verführung, Loyalität und die Macht der Worte mit phantastischen Figuren, überraschenden Twists und voller zauberhafter Einfälle.

Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell, Berlin Verlag, Taschenbuch, 1040 Seiten. ‚Antiquarisch z. B. bei amazon

Wahre Liebe, edle Abenteuer:

Die Brautprinzessin

Lange, lange Zeit war dieses großartige literarische Schelmenstück nur antiquarisch zu bekommen – wie schön, dass es Ende vergangenen Jahres in der Hobbit Presse bei Klett Cotta endlich wieder neu aufgelegt wurde! Bei der Brautprinzessin handelt es sich um ein romantisches Märchen um Prinzessin Butterblume und den Stalljungen Westley – mit allen Zutaten, die eine spannende Geschichte ausmachen: Wunderschöne Frauen, tollkühne Männer, Eifersucht, glühende Liebe, Verfolgung, Folter und wilde Tiere, Rettungen in allerletzter Sekunde u. dgl. m.

Klingt schon mal nicht schlecht. Der ganz besondere Reiz aber entsteht dadurch, dass der Autor William Goldman behauptet, das Buch gar nicht selbst geschrieben, sondern lediglich auf die „spannenden Teile“ zusammengestrichen zu haben. Bei dem ursprünglichen Werk des (erfundenen) Verfassers S. Morgenstern habe es sich um eine nur schwer lesbare, eher langweilige Schwarte gehandelt. In seiner „gekürzten“ Version nun versieht Golding den (vermeintliche) Originaltext mit zahlreichen bissigen Kommentaren, wodurch die Geschichte allmählich eine ganz andere Wendung bekommt – und dadurch sogar noch spannender wird. Übrigens: Auch Tote-Hosen-Frontmann Campino ist von der Brautprinzessin begeistert: „Ich bin ein großer Märchenfan, aber das hat mich wirklich nochmal aus den Schuhen geholt. Es ist ein großer Spaß das zu lesen.“

William Goldman: Die Brautprinzessin, Hobbit Presse bei Klett Cotta, 426 Seiten, gebunden

Mysteriös, unheimlich, nervenzerreißend:

Schattenlichter

Jonathan Gates, ein junger Filmstudent an der UCLA, macht sich auf die Suche nach dem verschollenen Werk des Filmemachers Max Castle. Castle – eigentlich Max von Kastell – war in den 20er Jahren ein berühmter deutscher UFA-Regisseur, der später nach Hollywood ging. Dort allerdings blieb ihm der Erfolg versagt, Castle hielt sich mit billigen Horrorfilmen über Wasser und geriet in Vergessenheit. Jonathan entdeckt, dass die schäbigen B-Movies von Castle subtile Effekte beinhalten, die den Zuschauer auf unheimliche Weise beeinflussen. Außerdem findet er heraus, dass Castle offenbar Mitglied einer mysteriösen Sekte war, deren Ursprünge weit in vorchristliche Zeiten reichen. Das Ziel, das diese Sekte seit Jahrhunderten verfolgt: Mit den Mitteln des Films das Ende der Menschheit heraufzubeschwören …

Schattenlichter, verfasst von dem amerikanischen Geschichtsprofessor Theodore Roszak, ist eins der spannendsten und unheimlichsten Bücher, die ich je gelesen habe – ein absoluter page turner! Immer wenn ich es verleihe, achte ich darauf, dass ich es auch ja wiederbekomme, denn leider, leider ist Schattenlichter nur noch antiquarisch erhältlich und beinahe schon so in Vergessenheit geraten wie die hypnotischen Filmstreifen des verruchten Kultregisseurs Max Castle (der zum Glück nur eine Erfindung des Autors ist).

Theodore Roszak: Schattenlichter. Heyne Taschenbuch, 896 Seiten. ‚Antiquarisch z. B. bei amazon

 

Über den Autor

Lutz Worat
Lutz Worat
Verstärkt das AhlersHeinel-Team in den Bereichen Konzeption und Text/Redaktion für Print- und Online-Projekte. Begeisterter Tomatenanbauer und bei »Toon Blast« immer mal wieder auf der Bestenliste zu finden. In der Rubrik »Aufgelesen« im AhlersHeinel-Blog stellt er bei Gelegenheit interessante Autoren und Bücher vor.

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