Sätze nicht mit „und“ beginnen? – Und ob!

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Sätze nicht mit „und“ beginnen? – Und ob!

So hat mans in der Schule gelernt: Und am Satzanfang, das sei ganz schlechter Stil, das müsse man auf jeden Fall vermeiden. So liest man es auch heute noch in Blogs und Foren, die sich mit Sprache und Stil beschäftigen. Manchmal wird sogar ins Feld geführt, im Duden gebe es extra eine Regel, die das und am Satzanfang verböte. Hm. Dem wollen wir doch mal ein bisschen auf den Grund gehen.

Die Mär von der „Kein Und am Satzanfang“-Regel

Also: Im Duden-Band 1, Die deutsche Rechtschreibung, ist der vollständige Text der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung abgedruckt. Diese Regeln hat aber nicht die Duden-Redaktion aufgestellt, sondern der Rat für deutsche Rechtschreibung mit Sitz in Mannheim. Dieses zwischenstaatliche Gremium ist vonseiten der staatlichen Stellen damit betraut worden, „die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks im unerlässlichen Umfang weiterzuentwickeln.“ Und in der Tat: Die insgesamt 113 Paragraphen des Regelwerks schaffen Klarheit in vielerlei Hinsicht – von der Kennzeichnung des Anfangs bestimmter Texteinheiten durch Großschreibung (§ 53) bis zur Trennung präfigierter Wörter (§ 108). Bloß zum Problem der mit und beginnenden Sätze hat sich der Rat nicht geäußert – kein Wunder, handelt es sich nun doch auch nicht wirklich um eine Frage der Rechtschreibung.

Und als Konjunktion betrachtet

Gerne wird auch darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Wörtchen und ja um eine Konjunktion handele, also um ein sogenanntes Bindewort, und dass Konjunktionen niemals am Satzanfang stehen dürften. Was schon mal Unfug ist, denn selbstverständlich leiten Konjunktionen wie weil, nachdem, obwohl, während Sätze ein – in aller Regel aber Nebensätze (immer häufiger stößt man mittlerweile aber auch auf das Hauptsatz-weil, auch als weil in Verbzweitstellung bekannt. Mehr zu diesem Thema in einem anderen Beitrag). Doch zurück zum und: Der klassischen Einteilung nach gehört das unscheinbare Wörtchen und zu den parataktischen oder beiordnenden Konjunktionen; die Faustregel heißt: Und verbindet Gleiches, zum Beispiel in Sätzen wie „Ich kaufe Äpfel und Birnen“ oder „Kennste den: Sitzen Angelika Merkel und Alexis Tsipras im Flugzeug …“ Doch aufgepasst: Die Konjunktion und hat mehrere Bedeutungen. Da gibt es nämlich zunächst einmal das gruppierende und sowie das distributive und. Beispiele gefällig? – Bitte sehr:

Pünktchen und Anton schleppen das Klavier die Treppe hoch: Ein klarer Fall von gruppierendem und; weder Pünktchen noch Anton hätten das Klavier alleine schleppen können.

Pünktchen und Anton spielen schon seit Jahren Klavier: Hier ist ein distributives und am Werk, das gewissermaßen die Information spielt schon seit Jahren Klavier auf beide Akteure verteilt: Sowohl Pünktchen als auch Anton spielen Klavier, aber nicht notwendigerweise gemeinsam.

Und dann gibt es noch die Variante, dass die Konjunktion und eine zeitliche Reihenfolge andeuten soll. Eines der wohl bekanntesten Beispiele für dieses zeitlich ordnende und und zugleich dafür, dass und am Satzanfang ein besonderes stilistisches Mittel sei kann, findet sich in der ‚Bibel (1. Mose 1):

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war.

Martin Luther: Gebrauchte häufig und am Satzanfang.

Martin Luther: Gebrauchte häufig und am Satzanfang.

 

Über den Autor

Lutz Worat
Lutz Worat
Verstärkt das AhlersHeinel-Team in den Bereichen Konzeption und Text/Redaktion für Print- und Online-Projekte. Begeisterter Tomatenanbauer und bei »Toon Blast« immer mal wieder auf der Bestenliste zu finden. In der Rubrik »Aufgelesen« im AhlersHeinel-Blog stellt er bei Gelegenheit interessante Autoren und Bücher vor.

3 Kommentare

  1. Niklas sagt:

    Sehr schön!
    Ich habe das und am Satzanfang schon oft verteidigt, aber nie so schön.

  2. Emon sagt:

    Wenn Gott persönlich einen Satzanfang mit UND beginnt, dann werde ich es erst recht dürfen. #JustJoke

  3. Willi sagt:

    Und all das bezieht sich nicht nur auf Und, sondern auch auf die Worte Oder und Aber am Anfang eines Satzes, denke ich.

    Nebenbei: Meiner Ansicht nach wird „Und“ in diesem Artikel überwiegend als Substantiv verwendet und müsste deshalb groß geschrieben werden. Jedenfalls in den Fällen, in denen es um „das Und“ als Wort geht. Oder nicht?

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